MuK: Warum tun wir uns das an? Das Smartphone als Kommunikationskiller in der Familie

Schenkt euch Liebe, sagt man. In Zeiten von Social Media & Co. müsste es besser heißen: Schenkt euch Aufmerksamkeit, hört euch zu, redet miteinander, anstatt ständig euer Handy zu zücken!

Denn Likes, Daumenhoch oder Herzchen ersetzen nicht das Gespräch, den Austausch, das Erzählen. Wir Menschen leben nun mal von Geschichten, Erzählungen prägen uns. Ob Heldinnenreise oder Heldenreise, tägliches Abenteuer, Erlebnisse in Kita, Schule, Sportverein, es gibt so viele Dinge, die wir teilen möchten, verarbeiten müssen, worauf wir Antworten suchen.

Wir alle wissen es: Smartphones können echte Kommunikationskiller sein, manchmal bekommt das kleine Dings mehr Aufmerksamkeit als die Menschen um uns herum. Weil wir evolutionär darauf programmiert sind, auf neue Informationen anzuspringen, checken wir aus Angst, etwas zu verpassen, ständig unser Display. Denn das Handy liefert uns permanent Dopamin-Kicks – ein Like hier, eine Nachricht da. Dagegen anzukämpfen ist wie Diät halten bei offenem Süßigkeitenschrank. Wir alle kennen die Tricks, wie damit umzugehen ist: Es geht um Balance, nicht um den kompletten Verzicht.

Sprechen und Erzählen sind grundlegende Elemente für ein gelingendes Miteinander, nicht nur in der Familie, sondern auch in der Gesellschaft. Zuhören können, eigene Bedürfnisse formulieren, Erlebnisse teilen – all das hilft bei der eigenen Meinungsbildung und Persönlichkeitsentwicklung. Im Austausch mit anderen überdenkt und festigt man seinen Standpunkt, lernt Konflikte auszutragen und auszuhalten, lernt gewinnen und verlieren. Wer keine echten Gespräche führen kann, entwickelt oft eine geringere Frustrationstoleranz und ist es nicht gewohnt, durch schwierige Themen durchzunavigieren oder unterschiedliche Meinungen auszuhalten. Streitkultur? Fehlanzeige! Stattdessen wird weggewischt, geblockt oder stummgeschaltet. Dieses Verhalten und die daraus resultierende Hasskultur im Netz gefährden unsere Demokratie. Als Reaktion darauf ziehen sich viele zurück, trauen sich nicht mehr, ihre Meinung zu äußern, und leiden früher oder später unter Einsamkeit und Depressionen. Weil echte Nähe fehlt, von körperlicher Nähe ganz zu schweigen.

Es geht also darum, all die Geschichten, die wir tagtäglich erleben – ob im Alltag oder auf der Reise – wie in einem Stuhlkreis am Montagmorgen zu teilen und allen zu erzählen! Und zwar in kleiner Runde, um dann Kommentare und Bemerkungen, unterschiedliche Meinungen auszuhalten, Frust, Ärger und Wissen zu teilen – und gemeinsam zu lachen.

Ilona Einwohlt für MuK Hessen e.V.

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