MuK: Gemeinsam sicher auf Social Media - was Eltern wissen müssen

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Die digitale Welt birgt Risiken, aber mit Aufklärung, Vertrauen und klaren Regeln können wir unsere Kinder schützen. Medienkompetenz ist heute genauso wichtig wie Verkehrserziehung – und genauso erlernbar.

Unsere Aufgabe ist es, unsere Kinder stark zu machen, nicht sie von der digitalen Welt abzuschotten.
So gehört Social Media zum Alltag unserer Kinder wie früher der Schulhof. Doch während wir damals wussten, wer sich dort herumtreibt, und alles überschaubarer war, ist die digitale Welt für viele Eltern noch Neuland. Dabei lauern hier reale Gefahren: Sexualisierte Gewalt hat längst den Sprung ins Netz geschafft – und viel zu selten trauen sich Betroffene, offen darüber zu sprechen.

Dabei sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 8 und 17 Jahren geben an, bereits in sozialen Netzwerken oder Online-Spielen von Cybergrooming (also das Anbahnen von Kontakten mit sexuellen Absichten durch Erwachsene) betroffen gewesen zu sein. 2024 registrierte jugendschutz.net 17.630 Verstöße gegen Jugendschutz-Vorgaben – sexualisierte Gewalt dominierte dabei mit 89 Prozent.

Mädchen machen etwa zwei Drittel der Betroffenen von sexuellem Missbrauch aus und Jungen etwa ein Drittel. Mädchen erhalten häufiger ungewollt sexuelle Nachrichten, Bilder oder Videos. Sie werden oft gedrängt, intime Fotos zu versenden, und erleben Cybermobbing mit sexuellem Bezug. Besonders perfide: Die meist männlichen Täter nutzen das Bedürfnis nach Anerkennung aus und manipulieren über Komplimente und scheinbare Aufmerksamkeit.

Jungs sind mindestens genauso gefährdet, auch wenn seltener darüber gesprochen wird. Rund 40 Prozent der Jungen unter 18 Jahren und 35 Prozent der Mädchen geben an, mindestens auch gelegentlich mit Leuten zu chatten, die sie nicht kennen. Sie werden oft mit pornografischen Inhalten konfrontiert, die ihr Bild von Sexualität verzerren. Auch sie erhalten ungewollte Nachrichten oder werden zu sexuellen Handlungen gedrängt, wie beispielsweise das Versenden von privaten Nacktbildern. Das Schweigen der Jungs macht das Problem oft unsichtbar.

Deswegen ist es gut, das Thema mit seinem Kind anzusprechen! Kinder müssen wissen, dass es Cybergrooming gibt und dass sie immer mit ihren Eltern darüber sprechen können.

Als Eltern kann man Folgendes tun:

  • Offene Kommunikation: Sprechen Sie früh über Körpergrenzen und digitale Sicherheit. Kinder müssen wissen: Niemand darf sie zu etwas drängen, was sich falsch anfühlt.
  • Vertrauen schaffen: Machen Sie deutlich, dass Ihr Kind immer zu Ihnen kommen kann – ohne Konsequenzen zu fürchten. Auch wenn es bereits „mitgemacht“ hat.
  • Gemeinsame Regeln: Legen Sie fest, welche Apps genutzt werden dürfen und mit wem kommuniziert wird. Privatsphäre-Einstellungen sind Pflicht!
  • Aufklärung über Manipulation: Erklären Sie, wie Täter vorgehen: Sie suchen gezielt nach Kindern, die Aufmerksamkeit brauchen, bauen langsam Vertrauen auf und isolieren sie dann von Familie und Freunden.
  • Wenn es passiert ist: Bleiben Sie ruhig und hören Sie zu. Machen Sie Ihrem Kind klar: Es ist nicht schuld! Dokumentieren Sie Beweise (mit Uhrzeit), melden Sie den Vorfall bei der Plattform und bei schweren Fällen bei der Polizei. Holen Sie sich professionelle Hilfe, wenn nötig.


Ilona Einwohlt für MuK Hessen e.V.

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